Magazin Franken Manager - Am Anfang steht Vertrauensarbeit

Magazin Franken Manager - Redaktion 
Ausgabe September 2012
Autor: Johannes Dorsch

Am Anfang steht Vertrauensarbeit

Ausländische Fachkräfte für deutsche Unternehmen

Derzeit sind die Arbeitslosenquoten in einigen Ländern der EU eklatant. Bedingt durch die schlechte Konjunktur in der letzten Zeit, die ihrerseits ihre Wurzeln in der großen Krise hat, sieht es auf den Arbeitsmärkten in manchem EU-Land nicht gerade rosig aus. Vor allem gibt es auch unter den Jugendlichen einen hohen Anteil an Arbeitslosen. Betroffen sind jedoch bei weitem nicht nur schlecht- oder unausgebildete Menschen, sondern eben auch viele qualifizierte Fachkräfte und Ingenieure. Fachkräfte, die gerade in Deutschland - mithin auch in Franken – rar gesät sind und künftig wohl ein noch deutlich selteneres Gut darstellen werden.

In Franken suchen heute schon viele Unternehmen händeringend nach fähigem und qualifiziertem Personal, denn offensichtlich sind hier die Auftragsbücher noch gefüllt, so voll sogar, dass man mitunter den ein oder anderen Auftrag aus Personalmangel ablehnen muss. Die große Frage unserer Zeit ergibt sich nun aus zwei unterschiedlichen Problemstellungen: Auf der einen Seite haben wir in manchen europäischen Ländern eine enorme Arbeitslosenrate, davon betroffen sind auch Fachkräfte. Auf der anderen Seite haben Standorte in Franken mit massivem Mangel an Fachkräften zu kämpfen.

Lassen sich diese beiden Probleme durch die Gesetze des Marktes (Angebot und Nachfrage) auch europa- oder gar weltweit regulieren? Generell existiert in der Europäischen Union das Recht der Arbeitnehmerfreizügigkeit, das besagt, dass jeder Unionsbürger – ungeachtet seines Wohnortes – in jedem Mitgliedsstaat eine Beschäftigung aufnehmen und ausüben kann, auch wenn er nicht dessen Staatsangehörigkeit besitzt. Für ihn gelten die gleichen Voraussetzungen wie für einen Angehörigen des Staates. Konkret bedeutet das, dass sowohl der Zugang zur Beschäftigung, als auch die Beschäftigung selbst und die entsprechende Entlohnung unabhängig von der Staatsangehörigkeit gewährleistet sein müssen. Die Freizügigkeit ist Kernbestandteil des für alle EU-Mitgliedsstaaten verbindlich geltenden Gemeinschaftsrechts.

Doch wie kann beispielsweise ein fränkischer Mittelständler einen jungen spanischen Ingenieur oder eine qualifizierte Fachkraft in sein Unternehmen holen? Regina Weltner ist geschäftsführende Gesellschafterin von eu labourexperts, einem Personaldienstleister, der sich auf die Vermittlung von ausländischen Fachkräften spezialisiert hat. Die Unternehmensgruppe arbeitet deshalb auch direkt im europäischen Ausland und ist bisher in Valencia (Spanien) und in Sibiu (Rumänien) vertreten. Die Erfahrung zeige, so Weltner, dass es wichtig sei aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Etwa aus Rumänien – nicht so sehr aus Spanien – wurden Arbeiter nach Deutschland gebracht um harte Arbeit für schlechtes Geld zu verrichten. Darum steht am Anfang die Vertrauensarbeit. Das kann nicht von heute auf morgen geschehen. „Man kann nicht mit dem Bus hinfahren und Leute einsammeln“, sagt Weltner. Wichtig sei vor allem der persönliche Kontakt mit den Menschen. Dieser kann nur hergestellt werden, indem man mit den Sitten und Bräuchen sowie mit der Landessprache vertraut und auch im Land präsent ist. Das sind natürlich Voraussetzungen, die der einzelne Mittelständler, der genug mit dem Tagesgeschäft zu tun hat, oft nicht aus eigener Kraft leisten kann. Dazu kommt, dass entsprechende Bewerbungen in der jeweiligen Landessprache, selten auch in Englisch eingereicht werden. Um gut zu sondieren und sich ein Bild von der Leistung des Bewerbers zu verschaffen, müssen hohe Personalbindung des Verantwortlichen und Aufenthaltskosten für Reisen kalkuliert werden. Beauftragt man jemanden vor Ort, fehlt oft die Verankerung in Deutschland. Somit kann es nicht zu einem echten kulturellen Austausch kommen. „Am besten“, findet Weltner, „ist es, wenn ein deutsches Unternehmen mit Leuten aus dem jeweiligen Ausland zusammenarbeitet.“ Nur so kommen beide Seiten zum Tragen und nur so kann es ein seriöses Auswahlverfahren geben, das die Facharbeiter vor Ort auch wirklich anspricht. Um trotzdem nicht darauf verzichten zu müssen, kann es sich für KMUs mitunter rentieren sich an einen entsprechenden Personaldienstleister zu wenden. Dieser prüft dann die Qualifikation und die Kommunikationsfähigkeit der Bewerber und vor allem auch wie stark der Wille in ein fremdes Land zu ziehen ist.

Frequently Asked Questions

Die häufigsten Fragen, die von Unternehmerseite dabei an den Vermittler gestellt werden, sind Fragen zum Thema Sprachbarriere und zur Vergleichbarkeit der im Ausland erzielten Abschlüsse. Vor allem für kleine und mittlere Betriebe sind häufig noch Deutschkenntnisse wichtig. In größeren Betrieben macht es oft gar nichts, wenn die Fachkraft statt Deutsch Englisch und daneben möglichst noch ein bis zwei weitere Sprachen spricht. Wichtig ist, auf der jeweiligen Ebene angemessen kommunizieren zu können. Jemand in einer Führungsposition muss natürlich perfektes Deutsch in Wort und Schrift vorweisen können, wohingegen ein Facharbeiter vor allem in der Lage sein muss, sich auszutauschen. Weltner bemerkt gerade bei Rumänen und Spaniern eine sehr große Lernwilligkeit und den unbedingten Ehrgeiz, die Sprache auch tatsächlich zu erlernen. Derzeit werden noch keine Sprachkurse für Migranten innerhalb der EU gefördert. Das heißt, dass hier gegebenenfalls der Arbeitgeber in der Pflicht wäre. Zu Bedenken ist allerdings, dass ein Sprachkurs bei der VHS oder dem Goetheinstitut aus hiesiger Sicht keine große finanzielle Belastung darstellt. Für eine zugezogene Fachkraft kann es das allerdings durchaus sein. Die Motivation der Bewerber liegt darin begründet, so glaubt Weltner, dass sie sich hier ein neues Leben aufbauen wollen und darum mitunter fleißiger zu Werke gehen als manch Deutscher in vergleichbarer Position.

Die zweite Frage nach der Vergleichbarkeit der Abschlüsse lässt sich auch beantworten. Da mag zehn Jahre nach der Einführung die Debatte erneut hochkochen und es mögen mit Sicherheit auch gültige Argumente dagegen vorgebracht werden, dennoch: Vor allem bei jüngeren Bewerbern können die Unternehmen von Bologna profitieren. Junge Ingenieure haben im Grunde genommen die gleiche Ausbildung erhalten, egal wo sie studierten. Bei Fachkräften ist die Vergleichbarkeit nicht so leicht zu gewährleisten, unter anderem deshalb, weil das Schulsystem nicht in allen Ländern gleich ist. Darum prüft die Dekra jetzt auch Fachkräfte im Ausland. Im Prinzip werden die hierzulande verpflichtend vor der IHK abzulegenden Gesellenprüfungen im jeweiligen Ausland genauso getestet. Die jungen Bewerber unterziehen sich aber zum Teil gerne den Strapazen der doppelten Testbelastung, weil die Anerkennung in Deutschland dadurch sichergestellt wird. Solche Prüfungen der Dekra machen sich zum Beispiel im Elektro-Bereich bezahlt, wo die Sicherheit als höchstes Gut gehandelt wird. Durch eine derartige Maßnahme kann genau überwacht und dokumentiert werden, dass der jeweilige Bewerber sich mit den deutschen Standards auskennt und diese fachgerecht umzusetzen weiß.

Das schwerfällige politische Rad muss sich auch langsam zu drehen beginnen. Vorreiter wie eu labourexperts haben den Weg bereitet, der notwendigerweise in Zukunft gegangen werden muss. Dennoch muss einerseits die Bürokratie weiter abgebaut, andererseits müssen Anreize geschaffen werden. Kleine Förderungen, etwa die von Sprachkursen auch für Menschen, die der Arbeit wegen innerhalb der EU umziehen, wären ein Schritt in die richtige Richtung. Denn das Problem Jugendarbeitslosigkeit dort und Fachkräftemangel hier ist ein europäisches. Theoretisch gibt es eine „Mobilitätsgarantie“, aber was nützt die, wenn man sich den aus unseren Augen günstigen Sprachkurs nicht leisten kann? „Die große Mobilität scheitert an der Grenze der Sprache“, sagt Weltner.

Fazit

Dass hohe Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel einander nicht aufheben können, leuchtet ein, denn nicht jeder ist ein qualifizierter Facharbeiter oder Ingenieur. Aber gerade nach denen wird der Ruf immer lauter. Dennoch gibt es diese Leute im Ausland und auch sie sind mitunter von der dortigen wirtschaftlichen Situation betroffen. Doch wir haben nicht nur entsprechende Stellen zu bieten, sondern es gibt noch etwas, was man als Unternehmer erinnern muss: Deutschland ist interessant. Das weiß zwar mancher Deutsche nicht, aber für viele Spanier beispielsweise ist Deutschland nicht nur das Land der vielen Berge, überzogen von Permafrost, wenn es nicht gerade mal zwischendurch regnet. Nein, man sieht Deutschland nach wie vor als Land der Hochtechnologie an. Gerade Franken genießt augenscheinlich eine gute Reputation im Ausland. Die Kontraste auf engem Raum begeistern: liebliche Natur einerseits, eine riesige und hochmoderne Metropolregion andererseits. Und das wiederum durchzogen von mittelalterlichen Bauten. Zudem fällt die gute Schulbildung, die die Kinder hier erhalten schwer ins Gewicht. Das familienfreundliche Leben auf dem Land wird positiv konnotiert. Die relative Sicherheit in Deutschland erscheint reizvoll. Mit Sicherheit liegt ein möglicher Weg in Richtung Fachkräftemangel begegnen, Fachkräftemangel beheben in der Möglichkeit ausländische Fachkräfte in die heimischen Unternehmen zu integrieren.
Johannes Dorsch | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! | www.franken-manager.de

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